Welche Vorteile das Speeddating mit einem Fachbuch hat, erfährt ihr bei den unterschiedlichen Lesetechniken.

High Speed Lesen

von Ivon Farina

veröffentlicht am 28.07.2019

aktualisiert am 28.07.2019

Welche Vorteile das Speeddating mit einem Fachbuch hat, erfährt ihr bei den unterschiedlichen Lesetechniken. Außerdem haben wir einen nützlichen Selbsttest entwickelt, der das Leseverständnis schärft.

Effektive Lesetechnik

Es gibt nicht nur schwere Kost. Lesen kann unterhaltsam sein. Thriller, Magazine, Anleitungen. Jeden Tag wird eifrig gelesen.

Einer unserer Leser trat mit einer Frage an uns heran. N. wollte wissen, mit welcher Technik das schnelle Lesen besonders gut gelingt. Unser Fragesteller ist auf das Erarbeiten wissenschaftlicher Texte aus.

Wie beim Schachspiel kommt es beim Lesen auf den Überblick und die passende Strategie an. Wer zügig liest, konzentriert sich auf elementare Aussagen.

„Effizientes Lesen ist nicht nur ein Zeitgewinn sondern auch ein kluger Schachzug.“

Der Röntgenblick

Die digitale Leselandschaft ist ein gutes Beispiel für dynamisches Lesen. Begeisterte Fans bestürmen täglich die virtuellen Bibliotheken. Das liegt nicht nur an der tollen Erreichbarkeit.

Typisch ist der Blick auf das Wesentliche:

  • Große Überschriften
  • Kurze Sätze
  • Klare Absätze + Gliederungen
  • Information auf das Wichtigste beschränkt
  • Fett markierte Wörter
  • Links zum Weiterlesen
  • Quellenangaben, Bildmaterial

Der Leser erhält eine ideale Struktur. Klare Hierarchien und ein straffer Text ordnen den Denkprozess. Schachtelsätze und komplizierte Textblöcke sind im Internet rar. Stattdessen stechen Überschriften ins Auge und Schlüsselwörter sind dick unterstrichen, damit sie jedem fett auffallen und in Erinnerung bleiben.

Dieser Aufbau ähnelt dem schnellen und verstehenden Lesen. Wer beim Lesen sprintet, springt mit Röntgenblicken über den Inhalt. Das qualitative Erfassen filtert aus einem Text alle wichtigen Informationen heraus, auf die es ankommt.

Heute schon gescannt?

Unter dem Begriff „Scanning“ ist das rasche Überfliegen eines Textes gemeint. Der Leser sucht Antworten auf bestimmte Fragen. Der gesamte Inhalt ist in diesem Augenblick ohne Bedeutung, denn das Auffinden der Antwort soll schnell gehen.

Unsere Erfahrung:

Wenn ein Fußballfan die letzten Torergebnisse vom Wochenende wissen will, blättert er in der Zeitung direkt zum Sportteil und geht nicht erst Politik und Wirtschaft durch.

Eine andere Lesetechnik ist das Skimming. Das bedeutet „abschöpfen“ und klingt so nett, dass es auch in der Wirtschaft und in Verbrecherkreisen genutzt wird. Beim Lesen will man aber weder einen möglichst hohen Preis erzielen noch ein Bankkonto plündern.

Beim Skimming kommt es auf die Kernaussagen an. Sie geben Auskunft darüber, was bei Thesen, Forschungsergebnissen oder verbesserten Methoden neuartig ist und worin sie sich von den bisherigen unterscheiden. Schlüsselbegriffe, Überschriften und wenige Teile eines Satzes sind interessant. Das Auge schöpft, wie ein Sieb, alle wichtigen Informationen heraus und hält sich nicht mit nebensächlichen Details auf.

Unsere Erfahrung:

Statt ganze Passagen zu lesen, wird nur die Einleitung und der Anfang jedes Abschnitts gelesen. Dann wird das Ende eines Kapitels aufgeschlagen, da dort in der Regel zusammengefasst ist, worum es inhaltlich geht. Falls etwas unklar oder unschlüssig ist, wird noch einmal zurückgeblättert. Fotos und Tabellen werden aufmerksam analysiert. Visuelle Sinneswahrnehmung beschleunigt das Textverständnis.

Das Skimming erinnert an das Querlesen, ist jedoch raffinierter. Beim Querlesen wird ein Text vom Seitenanfang bis zum Seitenende diagonal im Schnelldurchlauf gelesen. Zeitersparnis spielt natürlich eine Rolle. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Passagen nicht komplett ausgelassen werden. Das geübte Auge erkennt, welcher Part für das Textverständnis wichtig ist. Speziell bei Fließtexten reduziert sich das Risiko, sinnvolle Herleitungen oder Erläuterungen zu übersehen.

Unsere Erfahrung:

Ein geschulter Blick erkennt bestimmte Abfolgen von Buchstaben. So springt das Auge auf Schlüsselbegriffe und entnimmt dem Kontext, wie relevant er ist.

Eine extreme Beschleunigung gelingt durch das Speed Reading. Bei dieser Methode wird die Subvokalisation, das ist unsere innere Stimme, die mitliest, hochtrainiert oder ganz ausgeschaltet. Nach intensiver Übung wird die doppelte Lesegeschwindigkeit und weit darüber hinaus erzielt. Weitere Lesehemmnisse wie etwa die Fixation (das Verweilen der Augen auf einer Textstelle beim Lesen) oder das Zurückspringen mit den Augen auf bereits gelesene Textstellen spielen ebenfalls eine Rolle.

Ich habe gemerkt, dass ich ganz ohne Subvokalisation und wenn ich mehrere Zeilen auf einmal flächig erfasse, am schnellsten lese. Das verschlechtert jedoch meine Leseleistung erheblich, so dass ich den Inhalt nicht mehr effizient speichern kann. Dem höchsten High Speed erteile ich daher eine klare Absage. Für das Erarbeiten wissenschaftlicher Texte kann ich nur die milde Form empfehlen.

Unsere Erfahrung:

Mit Unterstützung des Zeigefingers galoppiert das lesende Auge über den Text. Der Finger lotst den Blick und gibt als Taktstock die Lesegeschwindigkeit vor. Das Lesetempo sollte nur soweit gesteigert werden, dass das Verständnis nicht darunter leidet.

Chunking ist eine Gedächtnisleistung und beruht auf Informationsbausteinen. Bei dieser Methode strukturiert das Gehirn Inhalte, die zusammengehören. Das optimiert das schnelle Abspeichern von Informationen.

Chunk bedeutet im Englischen Klumpen oder Brocken. Laut George Miller soll der Mensch in der Lage sein, sieben Botschaften, sogenannte „Chunks“, in seinem Kurzzeitgedächtnis zu merken. Je sinnvoller sich der Leser seine Infoboxen aufbaut, desto besser fällt die Merkfähigkeit aus.

Unsere Erfahrung:

Eine Zahlenreihe, 1788712276, wird in kleinere Einheiten gruppiert, um sie leichter zu merken (178 - 871 – 2276). Telefonnummern werden als Zahlenpaare notiert. Der Leser nutzt diese Strategie ebenso für Zusammenfassungen oder um Merksätze zu formulieren.

Wenn es trotzdem hackt …

Ein Fachbeitrag schenkt zusätzliches Wissen. Dennoch kann es passieren, dass eine Lektüre den Leser zur Verzweiflung bringt.

Verschiedene Umstände können sich negativ auf den Lernerfolg auswirken:

  • Komplizierte Sprache und Fachausdrücke
  • Inhalt und Kontext
  • Vorwissen nicht ausreichend
  • Schlafmangel, Ablenkung, Stress

Es gibt Faktoren, die bewirken, dass ein Leser sein Limit erreicht.

Ist die Sprache des Autors verstanden worden? Aufpassen, es ist keine Landessprache gemeint. Also, kein arabisch, chinesisch oder griechisch. Fachrichtungen haben ihre eigenen Fachbegriffe. Welcher Laie könnte einem Physikdozenten, Juristen, Banker oder Infomatiker ohne Probleme folgen? Wer die Fachterminologie falsch interpretiert, hat einen gesamten Kontext verdreht.

Die Art des Schreibstils ist ebenfalls von Bedeutung. Baut die Textlogik auf einem Fließtext auf, kann es passieren, dass der Autor wichtige Erklärungen anmerkte, die im Turbo überlesen wurden.

Unser Tipp:

Macht Gebrauch von zusätzlichen Informationsquellen. Das können Buchempfehlungen, Papers, Gespräche oder Beiträge aus dem Netz sein. Eine Lektüre baut auf dem aktuellen Hintergrundwissen auf. Ohne eine ausreichende Basis an Wissen betritt man jedoch Neuland und muss quantitativ umso mehr erfassen, um Verständnislücken zu schließen.

Selbsttest

Ein einfacher Leitfaden hilft dabei, eigene Schwachstellen zu analysieren, die wesentlichen Kernaussagen zu verstehen und Informationen nachhaltig zu verarbeiten.

Vor und während der Lektüre empfiehlt sich:

  • Ein Wissens-Check
    • Wie genau kennt sich der Leser mit der Thematik aus?
    • Müssen Vorkenntnisse aufgefrischt oder ergänzt werden?
  • W-Fragen stellen
    • Welche Zusammenhänge ergeben sich aus ...?
    • Welche Belege untermauern ...?
    • Was passiert, wenn ...?
    • Warum reagiert ...?
    • Wodurch unterscheiden sich ...?
    • Wer hat ...?
  • Identifikation aufbauen
    • Versuchen, das Gelesene einem Freund oder Kollegen zu erklären
    • Sich vorstellen, man wäre in der Situation, aus den neuen Ergebnissen einen konkreten Nutzen ziehen zu können. Welche Vorteile wären das?
  • Einstellung und Motivationsgrad
    • Interesse am Thema haben
    • Hohe Eigenmotivation
    • Zeitdruck vermeiden
    • Pausen einlegen und regenieren
    • Inhalt sacken lassen
    • Notizen machen

Unser Tipp:

Alle Störfaktoren sollten unverzüglich abgestellt werden, denn schnelles Lesen erfordert eine höhere Konzentration als konventionelles Lesen.

Zusammenfassung – Speed Reading

Verschiedene Lesetechniken variieren das Lesetempo. Durch das ökonomische Lesen bleibt mehr Raum, das neue Wissen mit dem Vorwissen zu vernetzen. Chunking ist eine Methode, um sich neue Informationen zu merken.

„Schnelles Lesen will zum Ende kommen.“

Scanning, Skumming, Spead Reading und Querlesen sind einige Beispiele für ein erhöhtes Tempo. Schnelles Lesen baut auf dem individuellen Hintergrundwissen auf und überspringt Textstellen, die nicht relevant sind.

Im Vorfeld formulierte Fragen bewirken, dass der Leser in einem Text gezielt nach Antworten sucht. Auf diese Weise werden Zusammenhänge effizienter verstanden und die Fachexpertise steigt.

„Schnelligkeit kann Gründlichkeit sinnvoll ergänzen.“

Wenn Dozenten empfehlen, eine Auswahl aus mehreren themenbezogenen Papers und Fachbüchern parat zu haben, empfehlen sich zeitsparende Lesetechniken. Klappentext, Inhaltsangabe, Autor, Index, Vorwort, Einleitung und Schluß geben Auskunft darüber, wie bedeutsam die jeweilige Lektüre ist. Nach ihrer Wichtigkeit wird die Lektüre in verschiedene Stapel sortiert. Erst am Ende dieses Prozesses werden die wichtigsten Fachbeiträge gelesen.

Nun interessieren uns eure Erfahrungen und welcher Technik ihr den Vorzug gebt. Würdet ihr gerne mehr über eine Methode lernen, schreibt uns an und wir erklären sie ausführlicher oder gebt einen Kommentar ab.

Habt Spaß beim Lesen!

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Herzlichst, Ivon Farina

© Palina Tech



Über die Autorin Ivon Farina

Ivon Farina

Ivon Farina schreibt Magazinbeiträge für Palina Tech. Mit heiterer Feder will sie euch Wissen vermitteln, zum Nachdenken anregen und Inputs für eure Karriere geben. Wenn euch ein Thema gerade intensiv beschäftigt, könnt ihr es uns mitteilen. Womöglich wird es unsere nächste Story. Schließlich haben wir unser Magazin entwickelt, um unseren Kunden einen Mehrwert zu bieten. Wir freuen uns auf euer Feedback!

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